Das Unausdeutbare verstehen

„Okayyyy.“

Das „Okay“ des Erstaunens hat seine eigenen Melodien, das „Okay“ der Zustimmung ebenso.

So weit sich die Bedeutungsfacetten nur lautlich mitteilen, ist das keine neue Erscheinung, sondern war immer die entscheidende Ausdrucksmöglichkeit bei Einwortsätzen. Auch mit „ja“ und „nein“ lässt sich allerhand anstellen.

Das langgezogene Okay  des Erstaunens haben wir den amerikanischen Serien und Filmen abgelauscht. Es wirkt weniger ungeschickt imitiert, weniger kindisch als viele andere Amerikanismen, die in die deutsche Sprache eingeflossen sind. Dieses fremdklingende Deutsch gehört oft zum Gwundwortschatz der hochgradig automatisierten Alltagsdialoge, jenem reaktiven Reden, das ohne jedes Nachdenken manchmal in den ewig glechen Bahnen abzulaufen scheint.

„Muss ja.“ „Sie sagen es.“ „Kann ja nicht anders.“ „Eben.“

Aber warum ist dieses speziell klingende, extrem in die Länge gezogenes „Okayyy“ so en vogue? Eine Attraktion scheint zu sein, dass man damit der Konfrontation ausweicht. Es hat den Nebensinn von Gelassenheit und Toleranz bei halber Distanzierung. Zudem eröffnet es eine Pause, als wolle man sich die Sache noch gut überlegen. „Nun ja, gewiss, mag sein, du liegst damit nicht ganz falsch, ich bleibe aber skeptisch …“

Die starke Melodisierung gerade der knappsten Antwort-Wörter ist eine hübsche Sache. Zumindest den männlichen Sprechern hat sie meist gefehlt, während Frauen meist ohnehin stärker melodisieren.

Der Bedeutungszuwachs wird durchaus benötigt. Man meint, „ich glaube das nicht“, bejaht damit aber, dass der andere meinen darf, was er meint oder tut. „Wenn du meinst“, hat man bislang in solchen Fällen oft gehört.

Diese Wendung ist jedoch deutlich konfrontativer. Sie impliziert, das „ich“ das so nicht denke oder tun würde.

Man muss nicht jede neue Sprach- oder Sprechmode abwerten. Das Gleiche gilt für die Einfremdungen des Deutschen durch die Migranten-Communities.

Jede Zeit erträgt ihren Murks an gedankenfreiem sprachlichen Alltag, muss lernen, sprachliche Veränderungen zu verstehen.

Um einander gütlich zu verstehen, sind die Wörter ohnehin weniger wichtig, als vom Schreibdeutsch dominierte Akademiker meinen. Entscheidend für jeden Austausch ist, dass man sich verstehen will.

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