Aus prinzipiellen Gründen kann man für die Gleichrangigkeit von Volksverhetzung und sachlicher Information, von grundlos und begründet eintreten, für die Gleichrangigkeit von Kinderkram und lebenswichtigen Themen, von Klugheit und Dummheit, von richtig und falsch, von schön und hässlich. Von Liebe und Hass.
Prinzipiell ist alles sagbar, auch das Grundverkehrte. Prinzipiell geredet verschleiert etwas Konkretes, oft die Absicht, und verschattet die spezifischen Kleinigkeiten, in denen sich die großen Probleme verbergen. Wer aufs Prinzipielle ausweicht, möchte die Mühe vermeiden, die dornigen Details auseinanderlegen zu müssen.
Daher die Epidemie des Prinzipiellen, in der viele Menschen nicht mehr sonderlich prinzipienfest erscheinen. Eher pinzipienweich.
„Prinzipiell“ ist meistens ein rhetorisches Ausweichmanöver. Vor allem, wenn man es als Adjektiv oder Adverb nutzt. Als Hauptwort können Prinzipien hart auftreten wie ein Gesetz, wie eine Betonmauer. Manchmal ist die aber auch nur noch aus Pappe.
Der Brei, den man den ganzen Tag hört und liest, macht müde.
(Geschrieben, als ich sehr müde war.)
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